Wenn Du Dich zum Thema „Selbstführung“ im Internet oder in Buchläden umsiehst, dann geht es Dir möglicherweise so wie mir: Du wirst von der Vielzahl an angepriesenen Methoden, Konzepten und Techniken förmlich erschlagen, und es ist schwer, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Sind alle diese Angebote gleich gut? Wie kannst Du erkennen, ob Selbstführungsmethoden sinnvoll sind oder doch eher leere Versprechungen darstellen?

Zunächst aber zurück zur ersten Frage: Nein, nicht alle Angebote und Methoden sind gleich gut. Der amerikanische Psychologieprofessor John C. Norcross hat zusammen mit seinem Team viele der angepriesenen Techniken wissenschaftlich evaluiert und den Forschungsstand zusammengetragen.[i] Seine Kernerkenntnis: Es gibt durchaus wirksame Methoden. Aber gleichzeitig geistert auch Vieles herum, das nicht hilfreich oder sogar kontraproduktiv ist!

 

Welche Selbstführungsmethoden sind untauglich? Hier drei prominente Beispiele:

 

  • Das „Positive Thinking“ (Vincent Norman Peale) [ii]

Die Forschung hat ergeben, dass ein simples Sich-Einreden von Autosuggestionen (z.B. „Ich kann das!“, „Ich habe keine Angst“, etc.) im Grunde nur bei den Menschen funktioniert, die es bereits glauben. Bei allen anderen führt diese Autosuggestion nicht zum Erfolg oder ist sogar kontraproduktiv. [iii]

 

  • Die „The Secret“-Methode (Rhonda Byrne)

Der Grundgedanke dieser Methode ist zugegebenermaßen wirklich verlockend: „Denke einfach an etwas und es wird sich so in Deinem Leben manifestieren“. Ansonsten ist keine weitere Anstrengung nötig!

Ganz falsch ist das zwar nicht, denn tatsächlich hat wissenschaftliche Forschung (schon lange vor „The Secret“) ergeben: Positive Erwartungen führen dazu, dass wir eher ins Handeln kommen und auch mehr Dinge wahrnehmen, die uns bei der Zielerreichung weiterhelfen könnten. Doch jetzt kommt das große „Aber“: Positive Erwartungen allein reichen nicht. Wir müssen wirklich ins Handeln kommen. Und genau damit sind wir wieder beim zentralen Thema von wirksamer Selbstführung, auf das „The Secret“ keine Antwort gibt.

 

  • Der Ansatz des „Wenn Du nur richtig willst, dann kannst Du auch“

Das Problem dieses Ansatzes ist es, primär die eigene Willenskraft für den Erfolg von Selbstführung einsetzen zu wollen. Wie wir aber alle aus unseren „guten Vorsätzen für das neue Jahr“ wissen (und es der US-Psychologe Roy Baumeister auch wissenschaftlich belegt hat): Willenskraft ist eine begrenzte Ressource. Wir können sie zwar trainieren, aber für die Selbstführung sollten wir uns nicht alleine auf Willenskraft stützen, sondern besser mehrere Ansätze nutzen (z.B. intrinsische Motivation, Kontrolle des Umfelds etc. [iv]).

 

Besser: Setze auf wirklich wirksame Methoden!

Dass Selbstführung wirkt, wenn die richtigen Methoden angewendet werden, haben die Psychologen Christopher Neck und Jefferey Houghton in ihrem Überblick über 20 Jahre Forschung zu diesem Bereich dargelegt. [v] Denn wirksame Selbstführung bringt Dir folgende Vorteile und Ergebnisse:

  • Du erzielst bessere Ergebnisse und erreichst deine Ziele sicherer.
  • Du arbeitest motivierter und konsequenter an Deinen Themen.
  • Du hast ein stärkeres Gefühl der Kontrolle über Dein Leben.
  • Du bist selbstwirksamer.
  • Du bist kreativer.

 

Worauf beruhen diese wirksamen Ansätze? 

Es sind Methoden, die auf einer soliden wissenschaftlichen Theorie beruhen, empirisch durch unabhängige Forscher bestätigt wurden und in der Praxis erfolgreich eingesetzt werden. Hierzu zählen:

  • Die Kognitive Verhaltenstherapie (Cognitive Behavioral Therapy) [vi]
  • Die Methoden der Positiven Psychologie (stark geprägt durch Martin Seligman) [vii]
  • Erkenntnisse aus anderen Bereichen der Psychologie (Motivations-psychologie, Selbstregulationstheorie, Social Cognitive Theorie) [viii]

 

Fazit

Es gibt die sinnvollen und wirksamen Methoden zur besseren Selbstführung. In meinen weiteren Blogbeiträgen werde ich eine Reihe dieser wertvollen Methoden und ihre Anwendung vorstellen, um Dir bei der Verbesserung Deiner Selbstführung zu helfen.

 

[i] Norcross J., Campbell, L., Grohol, J., Santrock, J., Selagea, F. & Sommer, R. (2013), Self-Help That Works, Oxford  University Press

[ii] Peale, N. V. (1960), The Power of Positive Thinking

[iii] Kanning, U. (2008), “Wie Sie garantiert nicht erfolgreich werden”, Psychologie Heute, sowie Scheich, G. (1997), Positives Denken macht krank, Eichborn Vlg.

[iv] Neck, C., Manz, C. & Houghton, J. (2019), Self-Leadership – The Definitive Guide to Personal Excellence, Sage Publications

[v] Neck, C. & Houghton, J. (2006), „Two decades of self-leadership theory and research”, Journal of Managerial Psychology, V21 N4

[vi] der 1. Generation (Albert Ellis Ratio-Emotive Therapie), der 2. Generation (die „klassische“ kognitive Verhaltenstherapie) sowie der 3. Generation.

[vii] Siehe z.B. Seligman, M. (2017), Authentic Happiness: Using the New Positive Psychology to Realise your Potential for Lasting Fulfilment, Nicholas Brealey, oder auch Lopez, S. & Snyder, C. (2011), The Oxford Handbook of Positive Psychology, Oxford University Press

[viii] Neck, C., Manz, C. & Houghton, J. (2019), Self-Leadership – The Definitive Guide to Personal Excellence, Sage Publications